Plötzlicher Hörverlust: Ein Wettlauf gegen die Zeit – die ersten 48–72 Stunden sind entscheidend
Opr. Dr. Ümit Filiz vom ÖZEL ENTO HNO-Chirurgie-Medizinzentrum wies darauf hin, dass ein plötzlicher Hörverlust ein ernstzunehmendes Gesundheitsproblem ist, das innerhalb von Sekunden auftreten kann und bei verzögerter Behandlung zu dauerhaften Schäden führen kann. Er betonte die lebenswichtige Bedeutung einer frühzeitigen Vorstellung und sagte: „Die ersten 48–72 Stunden sind für den Behandlungserfolg entscheidend.“ Patienten sollten daher keine Zeit verlieren und umgehend einen Facharzt aufsuchen.
Dr. Filiz erklärte, dass sich die meisten Patienten mit Beschwerden wie „Mein Ohr ist verstopft“ oder „Ich höre schlechter“ vorstellen. Bei der Erstuntersuchung stellen sie gezielte Fragen dazu, wie und wann der Hörverlust begonnen hat. „Ein plötzliches Druck- oder Verstopfungsgefühl, begleitet von Pfeifen oder Brummen im Ohr, eine kürzlich durchgemachte Grippe oder ein einseitiger Hörverlust nach einer Impfung lassen uns an einen plötzlichen Hörverlust denken“, so Dr. Filiz.
Er erklärte weiter, dass ein plötzlicher Hörverlust als ein Hörverlust von mehr als 30 Dezibel in drei verschiedenen Frequenzen definiert wird und sich meist abrupt entwickelt. „Das Gehör kann plötzlich verschwinden, als würde ein Vorhang vor das Ohr fallen. Das kann im Schlaf oder auch während eines normalen Gesprächs passieren“, sagte er.
VIELFÄLTIGE URSACHEN
Dr. Filiz betonte, dass der plötzliche Hörverlust nicht auf eine einzige Ursache zurückzuführen ist. Gefäßverengungen (Vasospasmen), virale Infektionen (Grippe, COVID-19), hoher Cholesterinspiegel, Bluthochdruck, Diabetes und starker Stress zählen zu den wichtigsten Risikofaktoren. Bei Kindern können zudem Infektionen wie Masern und Mumps sowie einige starke Antibiotika einen plötzlichen Hörverlust verursachen. „Neben der schnellen Vorstellung des Patienten ist es ebenso wichtig, dass der Arzt das Krankheitsbild nicht übersieht und unbedingt einen Hörtest anordnet“, fügte er hinzu.
WIE VERLÄUFT DIE BEHANDLUNG?
Dr. Filiz erläuterte den Behandlungsprozess wie folgt:
„Zunächst führen wir eine ausführliche Untersuchung durch. Der erste Schritt danach ist immer ein Hörtest, da es oft nicht einfach ist zu sagen: ‘Das ist die eindeutige Ursache.’ Alle Möglichkeiten müssen berücksichtigt werden, um die geeignetste Therapie festzulegen. Wir fragen auch nach kürzlich durchgemachten Grippe- oder fieberhaften Infektionen sowie nach eingenommenen Medikamenten, da diese den Therapieplan direkt beeinflussen.
Je nach Ausmaß des Hörverlusts variieren sowohl die Dosierung als auch der Inhalt der Medikamente. Bei einem fortgeschrittenen Hörverlust beginnen wir unbedingt mit einer intravenösen (Infusions-)Therapie. Hochdosiertes Kortison ist einer der zentralen Bestandteile dieser Therapie und steigert bei korrekter Dosierung den Behandlungserfolg deutlich.
Eine weitere wichtige Behandlungsmethode ist die hyperbare Sauerstofftherapie. Obwohl sie ursprünglich für Taucher mit Dekompressionskrankheit entwickelt wurde, ist ihr Wirkmechanismus bei plötzlichem Hörverlust äußerst effektiv. Der Patient wird in eine Druckkammer gebracht, in der sich die Sauerstofftransportkapazität des Blutes um das Vier- bis Fünffache erhöht. Dadurch gelangt mehr Sauerstoff zum Ohr, was insbesondere in Bereichen mit vermindertem Blutfluss die Heilung beschleunigt.
Durch die Kombination von Infusionstherapie und hyperbarer Sauerstofftherapie versuchen wir, den plötzlichen Hörverlust unter Kontrolle zu bringen. Leider gibt es jedoch keine hundertprozentige Heilungsgarantie. Begleiterkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhte Cholesterinwerte, die Therapietreue des Patienten und das Stressniveau beeinflussen das Ergebnis.
Ich persönlich bevorzuge keine Injektionen direkt ins Ohr, da diese sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern unnötigen Stress verursachen können. Stattdessen halte ich die Kombination aus intravenöser Therapie und hyperbarer Sauerstofftherapie für effektiver. Denn bei dieser Erkrankung ist Zeit der entscheidende Faktor. Das größte Risiko ist der Zeitverlust. Eine sofortige ärztliche Vorstellung bei Symptombeginn und der rasche Beginn der richtigen Behandlung sind von lebenswichtiger Bedeutung.“
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